Sonntag, 17. Juni 2012

...

Ich kann Deine Tränen nicht trocknen, meine Hände sind vom Regen ganz nass. Ich zerriebe Dir das Gesicht, versuchte ich es dennoch.

Mittwoch, 2. Mai 2012

Imaginäre Straßen,

überfüllt von Menschen, die versuchen, die Schwere ihrer Seele hinter sich zu lassen. Sie wollen ihre Sorgen, Ängste und Fehler loswerden, sie irgendwo aussetzen, festbinden. Im Nebel des Lebens verschwinden, ohne einen Blick zurückzuwerfen. Doch kein Laternenpfahl, kein Mast, kein Stein ist mehr frei, überall liegen und sitzen zurückgelassene Seelen.
Manche der Menschen werden ungeduldig, beginnen zu streiten, zu handeln, zu verkaufen. Tauschen einen Teil ihrer Seele gegen vermeintliche Leichtigkeit ein. Händler laufen zwischen ihnen umher, abgewetzte, böse Gestalten mit gierig-dunklen Blicken. Die großen, schweren Koffer, die sie hinter sich herziehen, sind vollgefüllt mit Seelenteilen Verzweifelter, Hoffnungsuchender. Die, die von ihnen weggehen, gleichen sich in ihrem plötzlich leeren, stumpfen Blick und der unnachgiebigen Haltung, die ihr Körper angenommen hat. Wären sie noch lebendig genug, sich offenen Auges umzuschauen, würden sie an der Trostlosigkeit und Leere ihrer Umgebung erkennen, dass ihr Tauschgeschäft der Welt die Farben raubt. Formen verhärten sich, alles ist eckig, grau und leer. Der Himmel ist verschwunden, an seiner Stelle ist ein dunkles Loch, in dem die Händler mit ihren schweren Koffern entschwinden.

Dienstag, 27. Dezember 2011

Die Stille, die Euch umgibt,

wird nur von dem überlauten Ticken der Uhr durchbrochen, die die Vergangenheit unermüdlich mit Stunden und Minuten Eurer Lebenszeit füttert.
Worte habt Ihr nur noch wenige, so als hättet Ihr die, die Euch zustehen, schon lange aufgebraucht. Vielleicht habt Ihr der Welt aber auch nichts mehr mitzuteilen. Einer Welt, der Ihr schon vor Jahren den Rücken gekehrt habt - aus Angst, Euch könne in ihr etwas passieren. Angst vor dem Moment, an dem sie sich von Euch abwendet und ihrer eigenen Wege geht. Ihr habt sie eingetauscht gegen eine Welt, in der sich nur noch die Zeiger der Uhr bewegen. Eine Standbildwelt, die nichts enthält und nichts verspricht, dessen Verlust schmerzhaft sein könnte.

...

Wenn Worte in Buchstaben ertrinken, malen Schatten Farben ins Dunkel.

Winterabend

Die Nacht kratzt an den Rändern des Tages und stiehlt ihm mehr und mehr von seinem Licht. Sie dehnt sich aus, wird größer, dichter, dunkler. Stille senkt sich über die Welt, hell erleuchtete Fenster erzählen von Wärme und Geborgenheit.
Du, der Du draußen stehst, beantwortest ihre Geschichten mit der Melancholie des Fremden.

Bunte Lichter

tanzen tausendfach vor ihren Augen. Mit jedem Augenzwinkern scheinen es mehr zu werden. Bunter, greller.
Farben wechseln ihr Gewand, schneller als ihr Gehirn folgen kann. Farben und Lichter scheinen zu springen, zu zerfließen, sich zu einer kurzen, wilden Verschmelzung zusammenzufinden, nur um dann im nächsten Augenblick wieder auseinander zu stürzen.
Alles zieht und zerrt an ihrer Wahrnehmung. Farben und Licht, Licht und Farben, nicht mehr voneinander trennbar.
Ein buntes, atemloses Spiel. Eine Konzentration geballter greller Buntheit, kurz vor der Explosion in tausend Regenbögen.

...

Ich stehe am Bahnsteig.
Träume fahren an mir vorbei, in einem Zug, der nicht enden will.
Während die Träume zunächst noch Episoden darstellen, wird der Zug immer schneller, bis ich nur noch Bildfragmente erkennen kann.
Die Geschwindigkeit steigt, ich spüre den Wind, Bremsen quietschen.

Atemlos wache ich auf.

Donnerstag, 8. Dezember 2011

Der Blick mit dem Du die Welt betrachtest

ist seltsam schwer, seltsam traurig.
Als wüsstest Du Dinge, die wir anderen nur dunkel ahnen und in tiefere, unzugängliche Teile unseres Bewusstseins verdrängen.
Ein solcher Schutz ist Dir verwehrt, Du siehst die Welt, wie sie ist. Dieses Wissen raubt Dir die Stimme, die uns hätte warnen können.

Samstag, 22. Oktober 2011

Stillstand

Alles hält an, alles steht still. Das Leben scheint in einer Art Starre zu verharren. Nur die Zeit ist verschont. Je mehr Starre in das Leben tritt, desto schneller scheint sie voranzuhetzen.

Donnerstag, 20. Oktober 2011

Erwachen

Nebel senkt sich über die Stadt, Feuchtigkeit kriecht die Straßen hinauf, setzt sich auf Bäume, Häuser und Menschen.
Der Herbst reckt sich gähnend und breitet die Arme aus über die Welt, die er für einige Wochen fest umschlungen halten wird. Auch wenn ihn eine herzliche Freundschaft mit der Sonne verbindet, gibt es immer wieder Momente, in denen er die Unterhaltung des Regens und des Nebels vorzieht. Gemütlich in dicke Wolkendecken gekuschelt, schickt er wohlig ein paar wilde Windstöße ins Land.
Die Blätter hören sein Rufen, lang schon haben sie ihr Sommerkleid abgelegt und sich für den Herbsttanz die buntesten Farben übergeworfen. Ungeduldig erwarten sie ihren stürmischen Tanzpartner und als es endlich so weit ist, werfen sie sich rückhaltlos und voller Übermut in die luftigen Wogen.

Namenlos

Sie ruft seinen Namen.
Ihre Stimme durchdringt Wände, überwindet die Grenzen von Zeit und Raum. Nur ihn erreicht sie nicht. Ist ihm sein Name durch zu viele Wiederholungen so vertraut geworden, dass er ihn nicht mehr erkennt?
Sie ruft seinen Namen.
Mehr Worte findet sie nicht. Doch sie sucht auch nicht mehr danach. In seinem Namen ist alles, was sie sagen will.
Sie ruft seinen Namen, von Ewigkeit zu Ewigkeit, in alle Winde, in jeden Regentropfen.
Er hört sie nicht.
Hört nicht den Wind, nicht den Regen.
Hört nicht das traurig-schöne Lied, das sein Name singt.

Dienstag, 18. Oktober 2011

Kontinuität

Er sagte, er könne die Zeit zurückdrehen. Dabei umspielte ein leises Lächeln seine Lippen, doch in seinen Augen sah sie eine so tiefe Ernsthaftigkeit, dass sie beschloss, den Glauben an das Unglaubbare zuzulassen.
Sie hielten einander an den Händen und warteten stumm darauf, dass die Zeiger der Uhr ihre Richtung wechselten. Doch sie bewegten sich unbeirrbar der Zunkunft entgegen. Blind für das menschliche Schicksal vor ihnen, ließen sie die Gegenwart Sekunde um Sekunde weiter in der Vergangenheit versinken. Ihre Hände glitten auseinander, bis nur noch die Fingerspitzen sich berührten.
Der zeitliche Rückwärtssprung blieb aus, die Zukunft trat ein.

Spätsommerregen

Kaum wahrnehmbar hat der Himmel sich zugezogen. Gerade noch strahlte er blau und gutmütig, doch im nächsten Moment hat er sich ganz unbemerkt dunkle Wolkendecken übergeworfen, die ungeduldig danach drängen, ihren Zorn zu entladen. Ihre angespannte Wut wird immer stärker, kaum mehr zu atmen die Luft, die sich unter ihrem Druck zusammenzieht und verdichtet. Dunkel und schwer wird die Welt, die Erwartung auf den erlösenden Ausbruch ist kaum noch zu ertragen.
Regen.

Sonntag, 2. Oktober 2011

Die Stimmung der Welt

hat sich ihr herbstliches Gewand übergeworfen. Ein Blatt zu meinen Füßen, auf das mein umherschweifender Blick zufällig fällt. Ich frage mich, welchem Baum es einst seine Geschichten erzählte. Von dem Wind, der es zärtlich streichelte, wild mit ihm herumtollte, aber manchmal auch wütend an ihm riss. Von der Sonne und ihrer sanften Wärme, die ihm aber auch tödliche Wunden zufügen konnte. Von dem Regen, dem leisen Tröpfeln, dem fordernden Prasseln, dem schmerzhaften Hagel. Von den Vögeln und Eichhörnchen, den Würmern und Käfern, die zu Besuch kamen und sich kurz niederließen. Von der Luft, die schwer und kalt sein konnte, aber auch warm und weich.
Ich hebe es auf, das Blatt, das schon einige braune Stellen hat, und lege es an die Wurzel eines Baumes. Vielleicht kann dieser Baum ihm nun seine Geschichten erzählen.

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