Zarte Wolkenbänder jagen über den Himmel. Immer schneller werdend in ihrem ausgelassenen Spiel, fordern sie die großen Wolkenberge heraus, die träge und gemütlich weit über ihnen dahinziehen. Die Geschwindigkeit rauscht in jedem ihrer Eiskristalle, der Wind ist längst zu ihrem Mitspieler geworden. In ihrem Übermut verlieren sie immer mehr an Substanz, sie zerfasern, teilen sich. Bald schon werden sie verschwunden sein, aufgelöst in ihrem selbstvergessenen Spiel.
Bebhionn - 1. Okt, 23:00
Gegenströmung.
Nur das Wort.
Weil es plötzlich in meinem Kopf auftauchte, dort auf Gefallen stieß, weiter zur Zunge wanderte und süß schmeckte.
Auch die Finger wollten es schmecken.
Und schrieben es nieder.
Gegenströmung.
Bebhionn - 19. Sep, 19:34
Wie ein großer schwarzer Fluss scheint die Straße unter uns dahinzufließen. Kleine rote Glühwürmchen schlängeln sich diesen dunklen Fluss entlang, bewegen sich träge und gleichförmig ihrem Ziel entgegen.
So viele Menschen, so viele Gedanken, so viele Ziele.
Der Weg, die Zeit.
Der Zeitfluss. Schwarz, träge, geduldig.
Was, wenn nicht er fließt, nicht er uns Stunde um Stunde davonträgt. Was, wenn wir es sind, die sich bewegen. Wir selbst stehlen uns immer weiter in die Zukunft, lassen die Stunden zurück, ohne uns noch einmal nach ihnen umzuschauen.
So viele, die noch vor uns liegen, angefüllt mit Versprechungen, Verlockungen.
Ein weiteres Sandkorn fällt ins Stundenglas.
Bebhionn - 19. Sep, 09:46
anstelle des rigorosen Kopfschüttelns und Ablehnens,
einfach geduldig zusehen und warten.
Das Chaos nicht als etwas betrachten, was nicht sein darf und trotzdem ist,
nicht versuchen, den irrwitzigen Strich auszuradieren.
Ihm seine Existenz zugestehen,
ihn als Freund betrachten und irgendwann das Muster erkennen.
Bebhionn - 15. Sep, 09:34
in den Spiegel sah, hat mein Blick nicht wie sonst bei der sich spiegelnden Gestalt innegehalten. Er ist an ihr vorbeigeglitten, hat die Grenze überschritten und ist in das Innere der Augen getaucht, die ihm verblüfft nachschauten. Er hat das Äußere von innen gesehen, hat sich umgeschaut in dieser verborgenen Welt. Jenseits aller Worte, jenseits aller Wahrnehmbarkeit hat er verstanden – und wieder vergessen.
Bebhionn - 15. Sep, 09:27
Noch war die Wirklichkeit nicht bei ihr angekommen, noch beobachtete sie sie lediglich durchs verhangene Fenster - erstaunt und neugierig. Die Tür aber hielt sie fest verschlossen.
Mitunter machte die Wirklichkeit Anstalten, näher zu kommen und klopfte forsch ans Fenster. Dann fühlte sie sich, als drücke jemand mit aller Kraft ihr Inneres zusammen. Nur wenige Sekunden hielt sie dem Schmerz stand, dann wandte sie den Blick ab, verschloss die Augen und Ohren so lange, bis sich die Wirklichkeit wieder entfernt hatte und eine erträgliche Distanz zwischen ihnen entstanden war.
Bebhionn - 12. Sep, 12:40
Früher Morgen. Eine stark befahrene Straße, eine ankommende Straßenbahn.
Ein Mann, rennend, den gehetzten, leicht verzweifelten Blick fest auf die Straßenbahn geheftet, hypnotisierend. Er rennt, als sei es ungewohnt, für ihn und seine Beine, sich auf diese Weise fortzubewegen. Seine ganze Haltung drückt Unsicherheit aus.
Die Straßenbahn nicht aus den Augen lassend, setzt er einen Fuß auf die Straße. Doch sein fragendes Zögern kann sich nicht hinwegsetzen über die selbstbewusst heranbrausenden Autos. Er zieht den Fuß zurück, ohne den Blick von der Bahn abzuwenden.
Triumphierend verbeugt sich die Unsicherheit: Der Mann unternimmt keinen weiteren Versuch, sich mit dem Verkehr zu messen. So groß ist seine Resignation, dass er nicht das einladende Langsamwerden unseres Autos bemerkt.
Wir fahren vorbei.
Der Rückspiegel erzählt den Rest: Eine Lücke zwischen den Autos nutzend, gelingt es ihm schließlich, die Straße zu überqueren. Ich halte die Luft an, wünsche ihm das kleine Wunder. Gerade als er die Hand nach der Tür ausstreckt, setzt sich die Bahn schwerfällig in Bewegung, gleichgültig gegenüber dem Schicksal, das da neben ihren Gleisen steht.
Der Rückspiegel verstummt, der Mann und sein hilflos ausgestreckter Arm sind verschwunden.
Dieser Moment jedoch bleibt.
Bebhionn - 12. Sep, 09:48
Am Tag zuvor hatte die Zeit noch an ihrer Seite gestanden, aber als sie am Morgen die Augen aufschlug, war sie nicht mehr bei ihr. Die Gardinen wehten durch das offene Fenster und als sie hinausschaute, sah sie die Zeit, die ihr aus weiter Ferne traurig zulächelte.
Sie wollte aufstehen und zu ihr laufen, aber ihr Körper gehorchte nur schwerfällig. Erschrocken blickte sie auf ihre Hände, die auf der schweren Bettdecke lagen. Hände voller Falten, die Hände einer alten Frau. Als sie wieder aufblickte, war die Zeit verschwunden.
Bebhionn - 6. Sep, 12:42
Der Regenbogen hat seine Farbe verloren, er wirkt eckig und grau. Er kann die Sonne nicht mehr sehen, vielleicht hat er den Glauben an sie verloren.
Aber was wird aus der Welt, wenn der Regenbogen sie verlässt? Verlieren als nächstes die Blumen ihre Farben, die Schmetterlinge ihre Flügel? Wird die Luft ihren Geschmack einbüßen, das Wasser seine Nässe?
Werden wir die Augen schließen und aus unserer Erinnerung tilgen, was war und was sein könnte?
Bebhionn - 6. Sep, 12:39
Leise tritt die Frage neben mich, berührt mich sanft am Arm. Schweigend stehen wir nebeneinander, Worte sind unnötig. Ich weiß, dass sie nicht wieder gehen wird, bevor ich nicht den Blick hebe und in ihren Augen die Antwort lese, der ich mich seit Langem verweigere.
Bebhionn - 6. Sep, 12:35