Sonntag, 27. Januar 2013

Wahr-nehmung

Ich habe Dich in dem Moment gesehen, als sich Deine Lippen zum Sprechen öffneten. Doch die Worte blieben ungesagt und der Regen verwischte Deine Gestalt. So verschwommen warst Du plötzlich, dass ich die Augen schließen und die Undeutlichkeit wegblinzeln musste. Als ich endlich wieder klar sehen konnte, stand an der Stelle, wo ich Dich vermutete, nur ein alter, knochiger Baum.

Dienstag, 18. September 2012

...

Ein Lufthauch streift ihr Gesicht. Eine Haarsträhne löst sich, folgt dem Wind ein winziges Stück auf seinem Weg, bevor die Verbundenheit zum Körper sie am Weiterfliegen hindert. Beschränkt, gefangen zerrt sich noch ein paar Mal kläglich, bevor sie sich beruhigt und in ihr Schicksal fügt. Doch das Aufbegehren hat sich aber nur kurzzeitig zurückgezogen, bereit bei der nächsten Böe wieder mit aller Kraft hervorzubrechen.

Montag, 17. September 2012

Worte

Die Worte verlieren ihre Substanz, lösen sich auf wie Wolken im Wind. Sie drehen sich im Kreis, immer schneller, bis alles Äußere von ihnen abfällt und nur noch der nackte, nichtssagende Wortkern übrig ist.

Es sind die Worte, die ich gebraucht hätte, um die Antwort auf eine Frage zu formulieren, die ich vor lauter Angst nicht aussprechen kann.

Samstag, 15. September 2012

...

Irgendwann hat sie aufgehört, wegzulaufen. Jetzt begrüßen sie sich wie alte Bekannte. Sie hört geduldig zu, was die Frage zu sagen hat. Den Kopf leicht zur Seite geneigt, in sich hineinhorchend. Nur ihr gegenüber erlaubt sie sich, den Schutz aufzugeben und unverstellten Blicks auf die Wahrheit zu schauen. Das Gespräch findet tief im Inneren statt, einen anderen Ort gibt es nicht für eine solche Schutzlosigkeit. In der Außenwelt würde sie zusammenbrechen, aber hier, in der Dunkelheit des eigenen Seins, gibt es genug Hände, die sie halten.
 Sie wird keine Antwort finden, das hat sie gelernt. Einfache Antworten sind nicht die Sache von schweren Fragen. Aber sie kann zuhören, sich mit den einzelnen Wörtern auseinandersetzen, dem Fragezeichen nachspüren. Sie kann der Antwort nach und nach ein bisschen von ihrem Schrecken nehmen, bis sie sich auch draußen mit ihr auseinandersetzen kann. Dann ist reden möglich.

Donnerstag, 2. August 2012

Hoffnung

Einen Fuß vor den anderen setzen,
Schritt für Schritt
im Dunklen entlangtasten.
Vorsichtig
auf das Licht hoffend, das
die ganze Dunkelheit erklären wird.

Montag, 30. Juli 2012

Verschlossen

Ich stehe vor meinem Leben und klopfe an die Tür. Meine Knöchel sind schon wund, doch es rührt sich nichts. Nichts zu hören oder zu sehen. Kein Schlüsselloch, durch das ich einen Blick erhaschen könnte. Nur manchmal weht ein Wind durch die Ritzen der Tür. Sein Rauschen ist die lang ersehnte Antwort, doch nichts in mir ist dafür geschaffen, seine Botschaft zu fassen.

Freitag, 27. Juli 2012

Erwachen

Der Augenblick, als sich ihre Augen öffneten und ihr Blick der Welt aufs Neue - und scheinbar doch zum allerersten Mal - begegnete, schien sich nach allen Seiten hin auszudehnen.
Alles, was gewesen ist, war vergangen. Alles, was sein würde, war noch nicht entstanden.
Sie schwebte in einem Moment des Nichts und des Alles, ein weißer Fleck im Nebel des Lebens.

Donnerstag, 19. Juli 2012

...

Unter strahlend blauem himmel
Löste sich das blatt
Von seinem ast und
schwebte zur erde.
Langsam, fast bedächtig,
Spielerisch kreiselnd.
Es hatte alle zeit der welt.
Klar erkennbar das ziel.
Der weg ohne hindernisse.
Kein gedanke, nicht anzukommen.

Ein windstoß.

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